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Genetik

April 13

Oh unsere lieben Gene. Sie bestimmen die Grösse unserer Ohren, die Länge unserer Nase, die Farbe unserer Augen. Ob wir gross werden oder klein.

 

Aber bestimmen sie ob wir Krebs bekommen oder an einem Herzinfarkt oder an einem Schlaganfall sterben werden?

 

Das ist etwas komplizierter.

 

Bei der Entstehung der modernen Zivilisationskrankheiten spielen Gene nur eine beschränkte Rolle: die Erkenntnisse aus der Lehre der Epigenetik zeigen uns, dass die genetische Veranlagung zu Diabetes oder Bluthochdruck zwar vererbt werden kann, dass es aber dann vorwiegend von unserem Umfeld und unser Lebensweise abhängt, ob dies Krankheiten auch wirklich ausbrechen. 

 

Rauchen, Fettleibigkeit, Bewegungsarmut und Stress sind die anderen Hauptursachen zur Entstehung von Herzkrankheiten und  Hirnschlägen. Diese sind heutzutage die häufigsten Todesursachen in der westlichen Welt. Vor der Industrialisierung waren diese Krankheiten in Ländern der Dritten Welt praktisch unbekannt, vermehren sich jedoch mit Einzug der modernen Ernährung auch dort rasend. Bereits in den 80er Jahren erklärte die WHO auf Grund von gross angelegten Studien, dass unsere Gesundheit zu über 70% von Lebensstil und Umwelt beeinflusst wird. 

 

Wir verwenden die Genetik zwar als Ausrede - ‘ich kann sowieso nichts tun’. Menschen hören nämlich gerne gute Nachrichten über Ihre schlechten Gewohnheiten. Wir können die Schuld für unsere modernen Krankheiten und Todesursachen aber nicht so einfach der Genetik in die Schuhe schieben.

 

Körperliche Betätigung, Ernährung, emotionales Wohlbefinden, soziale Eingliederung und Lebenssinn bestimmen unsere Gesundheit und Lebensdauer viel entscheidender als unsere vererbte Veranlagung. Bei ungünstiger Veranlagung und frühzeitiger Erkrankung der Eltern an einer der Zivilisationskrankheiten lohnt es sich sogar noch mehr, auf den Lebensstil zu achten. Unzählige Langzeitstudien mit hunderten von tausenden Menschen belegen dies eindeutig (z.B. China Studie, 2007, Framingham Studie 1948 - noch andauernd, diverse Meta-Analysen).

 

Das mag zwar einerseits beruhigend sein, sollte uns aber auch die Kartoffelchips weglegen lassen und uns von der Couch in den Fitnessraum oder an die frische Luft drängen.